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Quereinsteiger als Erzieher Kita-Betreuung in Berlin

Der Senat plant, die Betreuungsqualität in den Kitas deutlich zu verschlechtern. Demnach dürfen künftig bis zu 33 Prozent der Erzieher in Berliner Kitas Quereinsteiger sein. Diese nicht voll ausgebildeten Kräfte würden dann komplett auf den Personalschlüssel angerechnet. Das geht aus den neuen Regelungen zum Fachkräftebedarf hervor, die der Landeselternausschuss Kita sowie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am Montag öffentlich machten.

 

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Quereinsteiger als Erzieher Kita-Betreuung in Berlin verschlechtert sich deutlich

So spielt es sich am besten.

So spielt es sich am besten.

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dpa/Julian Stratenschulte

Der Senat plant, die Betreuungsqualität in den Kitas deutlich zu verschlechtern. Demnach dürfen künftig bis zu 33 Prozent der Erzieher in Berliner Kitas Quereinsteiger sein. Diese nicht voll ausgebildeten Kräfte würden dann komplett auf den Personalschlüssel angerechnet. Das geht aus den neuen Regelungen zum Fachkräftebedarf hervor, die der Landeselternausschuss Kita sowie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am Montag öffentlich machten.

Bisher war es den Kitas lediglich erlaubt, bis zu 25 Prozent Nicht-Fachkräfte zu beschäftigen, die dann die berufsbegleitende Ausbildung absolvieren mussten. Erschwerend kommt hinzu, dass zudem künftig auch Sozialassistenten in den Kitas als Erzieher eingesetzt werden sollen. Erst nach 24 Monaten müssen sie eine berufsbegleitende Ausbildung beginnen. Familiensenatorin Sandra Scheeres (SPD) hatte sich bisher stets gegen den Einsatz von Sozialassistenten ausgesprochen.

„Die Senatorin hat stets am Fachkräfteprinzip festgehalten“, sagte die GEW-Vorsitzende Doreen Siebernik. „Erzieherinnen und Erzieher leisten heute eine wichtige pädagogische Arbeit.“ Sie setzten nämlich das anspruchsvolle Berliner Bildungsprogramm um. „Das kann von schlecht ausgebildeten Quereinsteigern nicht geleistet werden“, sagte Siebernik und verwies darauf, dass das Berufsbild des Sozialassistenten äußerst vage sei. Kita-Ausflüge würden mit der neuen Regelung oft unmöglich, sagte Leak-Chefin Katrin Molkentin. Denn ein Quereinsteiger dürfe nicht allein mit einer Gruppe sein.

GEW droht mit Gerichtsklage

Anlass für die geplante Verschlechterung der Kita-Qualität dürfte der dramatische Mangel an voll ausgebildeten Erziehern sein. Weil in Berlin derzeit die Kita-Plätze massiv ausgebaut werden, sind auf dem Arbeitsmarkt kaum noch reguläre Erzieher zu finden. In der Hauptstadt werden sie zudem auch noch schlechter bezahlt als etwa in Brandenburg, wo ein anderer Tarifvertrag gilt. „Wir wollen mit den neuen Regeln verhindern, dass Kita-Plätze gar nicht erst angeboten werden, weil in den Kitas Erzieher fehlen“, sagte Senatorin Scheeres und bestritt eine Qualitätseinbuße. Es gelte ja auch, Elternklagen zu vermeiden.

Siebernik verwies darauf, dass der Einsatz von immer mehr Quereinsteigern dazu führe, dass die ausgebildeten Erzieher weiter belastet werden. Denn sie müssen die Quereinsteiger an die Arbeit mit Kindern gewöhnen. Zuletzt mussten Kitas immer häufiger aus Erziehermangel Eltern mit ihren Kindern abweisen.

Auch an anderer Stelle bekam Scheeres Verwaltung nun Ärger. Die Personalvertretungen an Schulen wollen gesetzlich verbriefte Mitbestimmungsrechte bei der Einstellung neuer Mitarbeiter gerichtlich einklagen. Das kündigte die GEW ebenfalls am Montag an. Wegen Überlastung der zuständigen Sachbearbeiter werde das Mitbestimmungsrecht bei Einstellungen und bei der Einordnung in Gehaltsgruppen massiv verletzt. Neu eingestellte Lehrer würden monatelang auf Gehaltszahlungen in der ihnen zustehenden Höhe warten. Die Schulverwaltung widersprach dem.

Info aus Berliner Zeitung

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